Hauswirtschaftsschule Passau gibt Tipps, was in den Vorrat gehört
Vorratshaltung neu gedacht: Tradition trifft Notfallvorsorge

Wenn der starke Schneefall wie vor zwei Jahren Wege und Straßen unpassierbar macht, Hochwasser die Hausbewohner von der Außenwelt abschneidet, die Stromversorgung unterbrochen ist wie 2026 in Berlin oder beispielsweise eine Krankheit den Alltag ausbremst, kann ein gut gefüllter Vorratsschrank oder -keller entscheidend sein.

Nicht zuletzt aus diesen Gründen rückt eine vergessene Stärke wieder in den Fokus von heute: Vorratshaltung – eigentlich eine gute bayerische Tradition. Auch an der Landwirtschaftsschule Passau, Abteilung Hauswirtschaft ist das Thema Teil des Lehrplans.

Abteilungsleiterin Sieglinde Preuß betont: „Vorratshaltung war früher eine Selbstverständlichkeit. Unsere Großeltern machten Lebensmittel haltbar, um sie gezielt für Notfälle einzulagern. Weil wir heute gewohnt sind, dass Lebensmittel immer verfügbar sind, hat sich das geändert.“

"Wer den Vorrat gut plant, gewinnt doppelt: Vorratshaltung hilft nicht nur 'für den Fall der Fälle', sie spart auch Zeit und oft sogar Geld im Alltag. Außerdem macht sie unabhängiger von Ladenöffnungszeiten. Es geht nicht ums Hamstern. Es geht um vernünftiges Vorsorgen."
Sieglinde Preuß, Abteilungsleiterin AELF Passau

Monika Rothbächer, Lehrerin im Fach Ernährung und Lebensmittel hat mit den Studierenden die theoretischen Grundlagen der privaten Ernährungsnotfallvorsorge behandelt. Das Staatsministerium empfiehlt, einen Vorrat anzulegen, der die eigene Familie im Notfall zehn Tage überbrücken kann; wer nur wenig Platz hat, sollte zumindest für drei Tage vorsorgen – das ist besser als nichts. Bei der Planung hilft es Lebensmittel aus verschiedenen Gruppen bereitzustellen, also etwa Getreide- und Milchprodukte, Obst, Gemüse und Eiweißquellen; ganz besonders wichtig ist jedoch Trinkwasser.

"Was vielen vielleicht nicht bewusst ist: Das wichtigste Nahrungsmittel im Notvorrat ist das Trinkwasser."
Monika Rothbächer, Lehrerin

Planung
Pro Person rechnet man mit etwa zwei Litern pro Tag, davon rund ein halber Liter für die Zubereitung von Speisen. Auch der Zubereitungsaufwand sollte bei der Auswahl bedacht werden: Trockene Grundnahrungsmittel wie Nudeln, Kartoffeln oder Linsen sind sinnvoll, können bei Wasserknappheit aber problematisch sein, weil ihr Kochen zusätzliches Trinkwasser benötigt; deshalb sollten auch Lebensmittel in den Vorrat, die ohne aufwändige Verarbeitung (Konserven) essbar sind. Persönliche Vorlieben, Allergien oder Diätvorschriften gehören ebenfalls in die Planung.

"Wer keinen Fisch mag, sollte auch keinen Dosenfisch in den Notvorrat legen."
Monika Rothbächer, Lehrerin

Regelmäßige Kontrolle
Und schließlich ist es wichtig, die Bestände regelmäßig zu kontrollieren, ältere Produkte zuerst zu verbrauchen und ablaufende Waren auszutauschen, um Lebensmittelverschwendung zu vermeiden.
Unterrichtsfach Küchenpraxis
Praktisches Wissen rund um die richtige Vorratshaltung haben sich die Studierenden der Abteilung Hauswirtschaft, im Unterrichtsfach Küchenpraxis angeeignet. Mit ihrer Fachlehrerin Vanessa Handl haben sie saisonales Obst und Gemüse eingekocht bzw. fermentiert, Fruchtaufstriche zubereitet, Quitten dampfentsaftet, Kräuter getrocknet und Gemüse in Öl oder Essig eingelegt.

"Wenn die Grundsätze zur Haltbarmachung von Lebensmitteln eingehalten werden, sind diese Vorräte mehr als ein Jahr haltbar."
Vanessa Handl, Fachlehrerin

Hygiene
Oberste Priorität hat dabei die Hygiene. Alle verwendeten Arbeitsmittel und -geräte müssen sauber sein, Gläser und Deckel, in denen die Lebensmittel haltbar gemacht werden, sterilisiert, damit keine Keime enthalten sind. Darüber hinaus ist darauf zu achten, ausschließlich einwandfreies Obst und Gemüse zu verwenden. Ist ein Apfel bereits angefault, so sollte er nicht mehr für die Haltbarmachung eingesetzt werden.

"Außerdem können auch schon bereits fertige Gerichte eingekocht und somit haltbar gemacht werden. Fleischgerichte, Suppen, Soßen oder Eintöpfe werden in Gläser gefüllt und bei Temperaturen zwischen 75 °C und 100 °C für bis zu 120 Minuten erhitzt. Die im Lebensmittel enthaltenen Mikroorganismen werden abgetötet und deren Wachstum gehemmt. Fertige Gerichte sollten vor dem Einkochen nicht abgebunden oder gewürzt werden."
Vanessa Handl, Fachlehrerin

Weitere Informationen

Wer noch keinen Vorrat daheim angelegt hat oder unsicher ist, was hineingehört, der findet weiterführende Informationen zum Thema unter:

Für den Notfall vorgesorgt - Staatsministerium Externer Link

Auf dieser Seite ist auch der Vorratskalkulator des Bundesernährungsministeriums verlinkt, mit dem man den individuellen Gesamtbedarf an Notvorräten errechnen kann.